Ein Haus verkauft man meist nur ein- oder zweimal im Leben. Entsprechend groĂŸ ist die Unsicherheit: Was ist der richtige Preis? Welche Unterlagen brauche ich? Diskret oder öffentlich verkaufen? Und was kostet mich das alles? In diesem Leitfaden zeigen wir Ihnen Schritt fĂ¼r Schritt, wie ein Hausverkauf in Friedrichshafen und am Bodensee abläuft – mit aktuellen Zahlen aus unserem Marktbericht und Erfahrungen aus Ă¼ber zehn Jahren Verkaufspraxis.
Woher unsere Zahlen kommen: Die Marktzahlen in diesem Artikel sind keine Portal-Durchschnitte. Grundlage sind alle Kaufangebote der letzten zwölf Monate in Friedrichshafen. Wir zählen jede Immobilie nur einmal – in Friedrichshafen sind rund 18 % aller Inserate Mehrfach- oder Neuinserate derselben Immobilie –, werten nur Bestandsimmobilien ohne Neubau aus, nutzen den Median statt des Durchschnitts und entfernen Fake-Inserate sowie Sonderfälle wie Erbbaurecht oder NieĂŸbrauch. Die Werte werden monatlich neu berechnet und von Alexander Richter geprĂ¼ft. Angaben zu Vermarktungszeit und die Praxisbeispiele stammen aus unseren eigenen Verkäufen. Quelle: Auswertung AMR Immobilien auf Basis von Angebotsdaten von ImmoMetrica und ergänzt um eigene Marktforschung. Zur vollständigen Methodik im Marktbericht
Das Wichtigste in KĂ¼rze
- Der Preis entscheidet in den ersten Wochen. In Friedrichshafen wurde knapp jedes vierte Haus während der Online-Phase im Preis gesenkt – meist, weil zu hoch gestartet wurde.
- Häuser sind gefragt: Die mittlere Online-Dauer liegt bei 61 Tagen, bei Wohnungen sind es 76 Tage.
- Vollständige Unterlagen sparen Zeit und bringen Geld: Eine nachgemessene Wohnfläche kann den Preis spĂ¼rbar verändern.
- Die Maklerprovision teilen sich Käufer und Verkäufer beim Einfamilienhaus in der Regel je zur Hälfte. Notar, Grundbuch und Grunderwerbsteuer zahlt Ă¼blicherweise der Käufer.
- Steuern: Haben Sie selbst darin gewohnt, ist der Verkauf in der Regel steuerfrei. Bei vermieteten Häusern gilt die Zehnjahresfrist.
Der Immobilienmarkt in Friedrichshafen 2026
Nach dem PreisrĂ¼ckgang 2023 hat sich der Markt in Friedrichshafen stabilisiert. Laut unserem Marktbericht Friedrichshafen (Stand Oktober 2026) werden Bestandshäuser – Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften und Reihenhäuser – im Median fĂ¼r rund 4.231 €/m² angeboten. Bei typischen 140 m² Wohnfläche entspricht das einem Angebotspreis von rund 595.000 €. In den vergangenen zwölf Monaten waren 103 solcher Häuser im Angebot, neu hinzu kommen im Schnitt nur sechs bis sieben pro Monat.
Wichtig: Das sind Angebotspreise, keine erzielten Kaufpreise. Je nach Lage und Zustand liegt der tatsächliche Verkaufspreis darunter – bei gefragten Häusern auch darĂ¼ber. Und die Spanne ist groĂŸ: Ein Reihenmittelhaus in der Kernstadt und ein freistehendes Haus in Seenähe trennen schnell mehrere hunderttausend Euro.
Die Nachfrage ist in Friedrichshafen solide. GroĂŸe Arbeitgeber wie ZF, Rolls-Royce Power Systems und Airbus in Immenstaad sorgen fĂ¼r einen stetigen Zuzug von Fachkräften, die Wohneigentum suchen. Besonders gefragt sind Häuser in Seenähe und in beliebten Ortschaften wie Fischbach oder Ailingen.
Schritt 1: Ziel und Zeitrahmen klären
Bevor es um Preise geht, steht die Frage nach dem Warum: Wollen Sie den höchstmöglichen Preis erzielen, schnell Klarheit haben oder möglichst diskret verkaufen? Gibt es einen festen Termin, etwa den Umzug, eine Anschlussfinanzierung oder die Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft? Diese Antworten bestimmen die gesamte Strategie – vom Angebotspreis bis zur Art der Vermarktung.
Klären Sie auĂŸerdem frĂ¼h, ob alle EigentĂ¼mer an einem Strang ziehen. Bei Erbengemeinschaften oder Trennungen mĂ¼ssen alle EigentĂ¼mer dem Verkauf zustimmen und den Kaufvertrag unterschreiben. Mehr dazu: Geerbtes Haus verkaufen und Haus verkaufen bei Scheidung.
Schritt 2: Den richtigen Angebotspreis finden
Der Angebotspreis ist die wichtigste Entscheidung des gesamten Verkaufs. Ist er zu hoch, bleiben Anfragen aus, das Inserat altert, und am Ende folgt eine Preissenkung, die Käufer als Verhandlungssignal lesen. Ist er zu niedrig, verschenken Sie Geld.
So nähern Sie sich einem realistischen Preis:
- Bodenrichtwert prĂ¼fen: Den Wert des GrundstĂ¼cks je Quadratmeter finden Sie kostenlos im Landesportal BORIS-BW. In Friedrichshafen reicht die Spanne von rund 300 €/m² in Ettenkirch Ă¼ber etwa 600 €/m² in Ailingen, Kluftern und Fischbach bis zu 1.850 bis 3.100 €/m² in Seelagen (Stichtag 01.01.2025).
- Vergleichsangebote ansehen – aber mit Vorsicht: Viele Häuser stehen zu lange und zu teuer online. Aussagekräftiger sind Angebote, die schnell wieder verschwunden sind.
- Zustand ehrlich bewerten: Baujahr, Dach, Fenster, Heizung und Energieeffizienz beeinflussen den Preis heute stärker als noch vor einigen Jahren. Käufer rechnen notwendige Sanierungen inzwischen sehr genau ein.
- Potenziale erkennen: Ausbaureserven, eine mögliche Teilung oder eine zusätzliche Bebauung des GrundstĂ¼cks können den Wert deutlich verändern.
Eine fundierte Einschätzung verbindet diese Faktoren mit der tatsächlichen Nachfrage. Wir gleichen dazu auch ab, wie viele vorgemerkte Kaufinteressenten aktuell genau so ein Haus suchen. Wie eine Bewertung im Einzelnen abläuft, lesen Sie in So wird eine Immobilie bewertet. Hier können Sie Ihre Immobilie kostenlos bewerten lassen.
Schritt 3: Unterlagen vollständig vorbereiten
Fehlende oder widersprĂ¼chliche Unterlagen sind einer der häufigsten GrĂ¼nde, warum sich Verkäufe verzögern – spätestens die Bank des Käufers verlangt sie. Diese Unterlagen sollten Sie fĂ¼r einen Hausverkauf bereithalten (ausfĂ¼hrlich in unserer Checkliste fĂ¼r die Unterlagen):
- aktueller Grundbuchauszug
- Flurkarte bzw. Lageplan
- Baupläne, Baugenehmigung und Baubeschreibung
- Wohnflächenberechnung
- Energieausweis (gesetzlich vorgeschrieben, siehe unten)
- Grundrisse und Schnitte
- Nachweise Ă¼ber Modernisierungen (z. B. Rechnungen fĂ¼r Dach, Fenster oder Heizung)
- Auskunft aus dem Baulastenverzeichnis
- Grundsteuerbescheid und Nachweise Ă¼ber ErschlieĂŸungskosten
- bei vermieteten Häusern: Mietverträge und Nebenkostenabrechnungen
- bei geerbten Häusern: Erbschein oder notarielles Testament mit Eröffnungsprotokoll
Der Energieausweis ist Pflicht: Nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) mĂ¼ssen Sie ihn spätestens bei der Besichtigung vorlegen und dem Käufer nach Vertragsschluss Ă¼bergeben. Die wichtigsten Kennwerte gehören bereits in die Immobilienanzeige.
Aus unserer Praxis: Bei einem Verkauf passten die Wohnflächenangaben in den alten Unterlagen nicht zusammen. Nach einer neuen Vermessung ergaben sich 17 m² mehr Wohnfläche – das brachte 80.000 € Mehrerlös.
Schritt 4: Die richtige Vermarktung wählen
Viele EigentĂ¼mer denken beim Verkauf zuerst an ein Inserat auf den groĂŸen Portalen. Das ist nicht immer der beste erste Schritt. Ein Haus, das wochenlang online steht und im Preis sinkt, verliert an Attraktivität – und jede Preisänderung bleibt fĂ¼r Käufer sichtbar.
Wir gehen deshalb in zwei Stufen vor:
- Diskreter Vorverkauf (Secret Sale): Zuerst bieten wir das Haus vorgemerkten, bereits geprĂ¼ften Suchkunden an – ohne öffentliches Inserat und ohne öffentliche Preishistorie.
- Öffentliche Vermarktung: Erst dann folgt die Präsentation auf allen relevanten Kanälen – mit professionellen Fotos, aussagekräftigem Exposé und klarer Vorauswahl der Interessenten.
Gerade die ersten Wochen einer öffentlichen Vermarktung sind entscheidend: Dann ist die Aufmerksamkeit am grĂ¶ĂŸten. Handyfotos und eine Standardanzeige verschenken genau diese Phase.
Schritt 5: Besichtigungen und KäuferprĂ¼fung
Viele Besichtigungen sind kein ErfolgsmaĂŸstab. Entscheidend ist, dass die richtigen Menschen kommen. PrĂ¼fen Sie Interessenten vorab: Ist die Finanzierung geklärt, gibt es eine Finanzierungsbestätigung der Bank, passt das Haus wirklich zu den WĂ¼nschen? Das schĂ¼tzt Sie vor Besichtigungstourismus und vor Käufern, die kurz vor dem Notartermin abspringen.
Liegen mehrere ernsthafte Interessenten vor, entsteht ein strukturierter Wettbewerb. Wichtig ist, dass alle Beteiligten fair und transparent behandelt werden – das schafft Vertrauen und fĂ¼hrt zu belastbaren Angeboten.
Schritt 6: Kaufvertrag, Notar und Ăœbergabe
Haben Sie sich mit einem Käufer geeinigt, beauftragt in der Regel der Käufer den Notar. Dieser erstellt den Kaufvertragsentwurf. Ist der Käufer Verbraucher, muss er den Entwurf mindestens zwei Wochen vor der Beurkundung erhalten.
Nach der Beurkundung läuft die Abwicklung Ă¼ber den Notar: Er veranlasst die Auflassungsvormerkung zugunsten des Käufers, holt Löschungsbewilligungen der Bank fĂ¼r bestehende Grundschulden ein und teilt dem Käufer mit, wann der Kaufpreis fällig ist. Erst wenn das Geld bei Ihnen eingegangen ist, Ă¼bergeben Sie das Haus – am besten mit einem Ăœbergabeprotokoll, das Zählerstände, SchlĂ¼ssel und den Zustand festhält.
Welche Kosten fallen beim Hausverkauf an?
- Maklerprovision: Beim Verkauf eines Einfamilienhauses oder einer Wohnung an einen privaten Käufer tragen Verkäufer und Käufer die Provision seit Ende 2020 in der Regel je zur Hälfte.
- Löschung von Grundschulden: Ist noch eine Grundschuld eingetragen, die der Käufer nicht Ă¼bernimmt, zahlen Sie die Kosten fĂ¼r Notar und Grundbuchamt zur Löschung.
- Vorfälligkeitsentschädigung: Lösen Sie ein laufendes Darlehen mit Zinsbindung vorzeitig ab, kann Ihre Bank eine Entschädigung verlangen. Sprechen Sie frĂ¼h mit Ihrer Bank.
- Unterlagen und Energieausweis: Kosten fĂ¼r fehlende Unterlagen oder einen neuen Energieausweis.
- Notar, Grundbuch und Grunderwerbsteuer (in Baden-WĂ¼rttemberg 5 % des Kaufpreises) trägt Ă¼blicherweise der Käufer.
Muss ich beim Hausverkauf Steuern zahlen?
Haben Sie das Haus selbst bewohnt – im Verkaufsjahr und in den beiden Jahren davor oder durchgehend seit dem Kauf –, ist der Gewinn in der Regel steuerfrei. Bei vermieteten Häusern gilt eine Spekulationsfrist von zehn Jahren: Verkaufen Sie innerhalb dieser Frist mit Gewinn, kann Einkommensteuer anfallen. Klären Sie Ihren Fall im Zweifel vorab mit Ihrem Steuerberater.
Wie lange dauert ein Hausverkauf in Friedrichshafen?
Häuser bleiben in Friedrichshafen im Median 61 Tage online. Unsere reine Vermarktungszeit – vom ersten ExposĂ© bis zum Notartermin – liegt im Schnitt bei 7 bis 16 Wochen. Dazu kommt die Vorbereitung mit Unterlagen, Fotos und ExposĂ© sowie nach dem Notartermin die Abwicklung bis zur Kaufpreiszahlung, die meist einige Wochen dauert. Realistisch sollten Sie vom Entschluss bis zur Ăœbergabe mit drei bis sechs Monaten rechnen.
Die häufigsten Fehler beim Hausverkauf
- Zu hoch starten und den Preis dann schrittweise senken.
- Unterlagen nicht prĂ¼fen und dadurch Wohnfläche, Potenziale oder Probleme Ă¼bersehen.
- Inserieren und hoffen statt aktiver Ansprache passender Käufer.
- Handyfotos und Standardexposé in der wichtigsten Phase des Verkaufs.
- Besichtigungen ohne Vorauswahl – viel Aufwand, wenig Ergebnis.
- Ohne geprĂ¼fte Finanzierung zum Notar gehen.
- Emotionen statt Strategie: Der persönliche Wert eines Hauses ist nicht der Marktwert.
AusfĂ¼hrlich mit Zahlen und Beispielen: Fehler beim Hausverkauf – und wie Sie sie vermeiden.
Mit oder ohne Makler verkaufen?
Viele EigentĂ¼mer könnten ihr Haus theoretisch selbst verkaufen. Das eigentliche Risiko liegt selten in der Arbeit, sondern in falschen Entscheidungen zu Beginn: falscher Angebotspreis, falscher Vermarktungsweg, falsche Einschätzung der Nachfrage. Ein guter Makler sollte Ihnen mehr einbringen, als er kostet – durch einen besseren Preis, einen sicheren Ablauf und weniger Aufwand fĂ¼r Sie.
Wie das aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus unserer Praxis: Eine Erbengemeinschaft mit fĂ¼nf EigentĂ¼mern hatte nach einem ersten, unstrukturierten Verkaufsversuch nur ein Angebot – 30 % unter dem Angebotspreis. Nach einer Neuvermessung (+30 m² Wohnfläche) und einer neuen Verkaufsstrategie lagen drei qualifizierte Kaufangebote vor. Die Immobilie wurde 49 % Ă¼ber dem besten Angebot des ersten Versuchs verkauft.
Häufige Fragen zum Hausverkauf in Friedrichshafen
Was ist mein Haus in Friedrichshafen wert?
Das hängt von Lage, GrundstĂ¼ck, Wohnfläche und Zustand ab. Als grobe Orientierung: Bestandshäuser werden in Friedrichshafen im Median fĂ¼r rund 4.231 €/m² angeboten. Eine verlässliche Zahl fĂ¼r Ihr Haus erhalten Sie nur durch eine individuelle Bewertung.
Wer bezahlt den Notar beim Hausverkauf?
In der Regel der Käufer. Er trägt die Kosten fĂ¼r Beurkundung, Grundbucheintragung und die Grunderwerbsteuer. Der Verkäufer zahlt nur die Löschung eigener Grundschulden.
Kann ich mein Haus verkaufen, wenn es noch nicht abbezahlt ist?
Ja. Die Restschuld wird aus dem Kaufpreis abgelöst; der Notar koordiniert das mit Ihrer Bank. Rechnen Sie bei laufender Zinsbindung mit einer möglichen Vorfälligkeitsentschädigung.
Kann ich diskret verkaufen, ohne dass Nachbarn es mitbekommen?
Ja. Ăœber vorgemerkte und geprĂ¼fte Suchkunden lässt sich ein Haus verkaufen, ohne dass es öffentlich inseriert wird.
Wann ist der beste Zeitpunkt fĂ¼r einen Hausverkauf?
Wichtiger als die Jahreszeit ist eine gute Vorbereitung. ErfahrungsgemĂ¤ĂŸ ist die Nachfrage im FrĂ¼hjahr und Herbst etwas höher – ein gut vorbereitetes Haus zum richtigen Preis verkauft sich aber das ganze Jahr.
Fazit: Gut vorbereitet verkauft sich besser
Ein erfolgreicher Hausverkauf in Friedrichshafen beginnt nicht mit dem Inserat, sondern mit einem realistischen Preis, vollständigen Unterlagen und einer klaren Strategie. Wenn Sie wissen möchten, was Ihr Haus aktuell wert ist und wie ein Verkauf in Ihrem Fall ablaufen kann, sprechen Sie uns an: Immobilie kostenlos bewerten oder unverbindliches Erstgespräch vereinbaren.